Tourbericht Talking Horns

Madagascar,Rwanda,Camerun,Gabun

6. – 18.Oktober 2008

Talking Horns in Afrika 

 

„reisen“ 

 

Die Welt ist groß, und je genauer man hinschaut, desto mehr Welten entdeckt man. Die groben Unterscheidungen werden feiner und man erkennt, dass die eigene weite Welt nur ein Tropfen im großen Ozean des Ganzen ist.        

Uns trennen weite Wege, Berge, Flüsse, 

Meere und Sprachen, von den sozialen 

Gegebenheiten ganz zu schweigen. 

Der Flug über das Mittelmeer und den 

größten Teil des afrikanischen Kontinents 

führte uns nach Antananarivo,  Madagaskar, 

der Welt viertgrößte Insel. Im dortigen 

Goethe-Zentrum, einer Begegnungsstätte par 

excellence,  trafen wir malegassische 

Musiker. 

 

 

 

„rhythmus“ 

 

Ob mit Saxophon, Trommel oder Reisigbüchel, die spezielle afrikanische Rhythmik schafft eine andersartige, uns fremde Grundstruktur, deren Eigenheiten sich nicht in unserer Notenschrift darstellen lässt. 

Dieser Rhythmus hat schon in karibischer Musik sowie im Jazz maßgeblichen Einfluss ausgeübt und seine bewegenden (swingenden......) Spuren hinterlassen. Hier sind wir an der Quelle und erfreuen uns im Spiel an der Annäherung dieses Mysteriums. Und es findet sich, wenn man nur genügend hinhört. Bei unserer Session mit Seta (Altsaxophon) und David Raveloson (Tenorsax), dem Saxophonisten  der „Full Vao Band“ entstandenen jene Fragmente und Phrasen, die in ihrer rhythmisch-afrikanischen  Struktur das beinhalteten, was wir zu finden gehofft hatten. 

 

„neugier“

 

 

Was nun macht das Reisen so interessant? Sich stundenlang in Flughäfen und Flugzeugen die Nächte um die Ohren schlagen, eingequetscht mit hunderten anderen dicke Luft zu atmen ist kein wirkliches Vergnügen. Umsteigen, Gepäck schleppen, Orientierung suchen…………….und es kostet Energie, Geld, Nerven. 

Es ist der Reiz des unbekannten, fremden, dass Neugierde weckt. 

 

„begegnung“ 

 

Und indem man sich in die exotische Welt begibt, wird man selbst zum Exoten,  weckt Interessen bei den Menschen, die man in der Ferne trifft. So geschehen am 10.Oktober 08 im Ishyo- Kulturzentrum in Kigali/Rwanda. In der Pause wurde uns Sophie, eine dort lebende rwandische Sängerin, vorgestellt. Sie spielt die „Inanga“, eine Art rwandische Zither. Mit Hilfe eines Dolmetschers luden wir Sophie ein, im zweiten Teil des Konzerts mit uns zu musizieren. 

Zum vereinbarten Zeitpunkt kam sie auf die Bühne: es erklang ihre „Inanga“. Sophie sang ihr 

Lied und wir konnten ihren gezupften diatonischen Klängen geblasene harmonische Flächen und 

Rhythmen unterlegen. Zwischen den Strophen gab es Raum für solistische Improvisationen.

Die Geschlossenheit der Musik ließ nicht erkennen, dass wir uns nicht kannten, noch nie miteinander gespielt hatten. Ein gelungenes Beispiel für Kommunikation jenseits der sprachlichen Ebene. 

 

 

„kommunikation“

 

 

Es schließt sich ein Kreis der gegenseitigen Neugierde. Ist diese entfacht, so sucht man nach Kommunikation. Man gräbt tief im Halbwissen vergangener Englisch-/Französisch-/Spanisch- stunden oder versucht sich per Crashkurs die lebensnotwendigen Worte wie „Guten Tag“ – 

„Vielen Dank – „einen Kaffee bitte“  anzueignen. Oft stellen sich erstaunliche Resultate ein und man freut sich, das man vieles regeln kann und auch nicht verhungern muss. 

Nur ist die Kommunikation, so gut sie auch in kleinen Dingen funktionieren mag, doch recht eingeschränkt und schon bald endent manches Gespräch im Dickicht der Verallgemeinerung. 

Nicht so bei den Musikanten! Wer mit seinem Instrument reist findet schnell Gesprächspartner. 

Bereits die äußere Erscheinung: Mit einer Instrumententasche oder einem wie auch immer 

unförmigen Koffer gibt man sich preis, ob man will oder nicht, ein jeder kann es sehen: Ein Musiker. Welches Instrument ist wohl in der Kiste?

Am nächsten Tag: Treffen im Ishyo-Kulturzentrum.
Ein bunter Kreis, Musiker mit und ohne Instrument. Diese müssen dort, da nicht jeder über ein eigens verfügt, geteilt oder ausgeliehen werden. Kurze Gespräche, ausloten: wer kann was, wer hat was.
Und wenn erst einmal ausgepackt ist, so ist der Zeitpunkt trans-lingualer Kommunikation nicht fern: Ein erster Ton, und schon sucht man nach Klang, und der zweite und dritte Ton gibt Orientierung für einen 

Rhythmus. Es öffnet sich eine Tür zu neu entstehender Musik die Überraschungen in vielfältiger Form bereithält. Allerdings gibt es keine Gewähr für Resultate. Weder positive noch negative. Das kann auch durchaus mal „nach hinten“ losgehen, man verzettelt sich oder kommt in 

Sackgassen. Doch steigt die Wahrscheinlichkeit guter Musik expotentiell in dem Verhältnis der Fähigkeit des „guten Zuhörens“ aller Beteiligten.  Frei nach dem Motto „Ohren auf und hinterher“, alle ziehen am gleichen Strick. 

Wenn dann doch noch Zeit zum reden bleibt, lernt man auch die Namen der Mitspieler kennen: 

Noell Nkubito - Cub Lion – Castro – Papi -  Michael – Yussuf – Kimeza – Nati – Nelson – 

Michil ......... 

 

 

„public blowing“  

 

 

Eine andere, nicht minder spannende Begegnung gab es außerhalb der Konzertsäle zu erleben: 

Mit unseren Blasinstrumenten konnten wir problemlos auch „draußen vor der Tür“ spielten. 

Vor dem Aufbau im Saal nutzten wir die Zeit zu einem kleinen Intermezzo:  Spontan, ohne Technik oder Bühne, lediglich vier Blasinstrumente. Musik für „die Leute von der Strasse“. 

Die Reaktionen waren meist sehr direkt und von großem Interesse und der Bereitschaft zum tanzen und mitmachen gekennzeichnet. Schnell fanden wir Zuhörer und es entstand eine enthusiastische Atmosphäre offener  Lebensfreude. 

Ein Stück Lebensqualität, das in dieser Form in unserem europäischen Lebensraum ein seltenes Gut zu sein scheint. Man könnte fast neidisch werden. (siehe:youtube.com – Talking Horns Yauondé)

 

Einmal mehr zeigte sich, das Musik zugänglicher macht und als universelle Sprache über die verbalen Möglichkeiten hinaus verbinden kann. Ein Weg der direkten Kommunikation. 

Gute Voraussetzungen für eine der schönsten Sachen der Welt: „von Mensch zu Mensch“